Es ist Samstagvormittag. Ich klopfe mir den Sand aus meinen rotgeränderten Augen, direkt in die Sandgrube, die sich vor mir metaphysikalisch öffnet. Abgründe tun sich auf. Meine Tochter schreit, ich schreie heute mal nicht, denn jeder noch so kleine Laut drängt sich ganz laut pochend zwischen meine Spinalnerven und erinnert mich daran: nicht mehr zu überlegen, ob es okay wäre, auf den allerletzten Wodka-Tonic zu verzichten, sondern es einfach zu tun, zu verzichten. Basta.
Jetzt stehe ich hier und habe entsetzlichen Durst, nippe aus der NUK-Trinkflasche, deren Inhalt bestimmt ekeligen Plastikmüll in meinen Körper pumpt. Meine Tochter bewirft unterdessen ein anderes Kind mit ordentlich viel Sand und brüllt ihr wütendes „Du nicht!“. Ich tue so als gehöre dieses unflätige Kind nicht zu mir und lasse mich kurz von einer leeren Flasche Wodka ablenken, die auf einem der kleinen Picknick-Tischchen auf dem Spielplatz steht. Ich bin irritiert, ich war doch gestern Nacht gar nicht hier, wer tut denn sowas und warum wird dieser wunderschöne und idyllische Spielplatz nicht vor saufenden Adoleszenzfatzken geschützt.
In diesem Augenblick stürmen mehrere fröhliche Eltern auf den Spielplatz und plaudern über dies und das und über Brotbackautomaten und musikalische Frühförderung. Warum muss das denn immer so sein? Kann man auf einem Spielplatz nicht einmal, nicht ein einiges Mal seine Ruhe haben?, schimpfe ich innerlich und lächle freundlich die Vollspackos in ihren Jack-Wolfskin-Nerzen an, weil es ja jederzeit sein könnte, vielleicht in drei Minuten, dass ich auf ihre Prinzessinen- respektive Hello Kitty-Pflasterstreifen angewiesen bin, weil sich mein Kind – andere Kinder tun so etwas nicht – für den einzigen rostigen Nagel auf dem ganzen müden Spielplatz interessiert.

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